Über fehlerhafte Ästhetik und ästhetische Fehler
Dieses langfristige Projekt ist eine Sammlung von technischen Fehlern, die auch ruhig unfreiwillige Effekte genannt werden können.
Diese „Fehler“ verwandeln jede Aufnahme in ein einzigartiges Exemplar. Betrachtet man zum Beispiel solche, die durch Eintritt von Licht in die Kamera verursacht werden und im Foto selbst als Lichtschleier erscheinen: Ein solcher Fehler erzeugt eine zufällige Überbelichtung des Negativs und führt somit dazu, dass ein sonst gewöhnliches Foto eines Sonnenuntergangs sich in eine fast mystische Aufnahme verwandelt, die dadurch wesentlich mehr Spielraum für Interpretationen lässt.
Die Betrachter:innen werden mit etwas konfrontiert, was sie nicht erwartet haben und sehen sich unweigerlich dazu gezwungen, die Fotografie völlig anders aufzunehmen und letztendlich einen neuen Sinn zu konstruieren.

Zum größten Teil sind Fotograf:innen natürlich nicht in der Lage solche Effekte zu steuern, da es sich nunmal um technische Fehler handelt. Es gibt jedoch auch solche, die sich sehr wohl reproduzieren lassen – wie zum Beispiel die Doppelbelichtung von Negativen.
Genauer gesagt, kann sich sogar die Überraschung darüber eine zufällige Collage erstellt zu haben, tatsächlich zu einer bewusst eingesetzten Technik entwickeln. Auch wenn Henri Cartier-Bresson uns lehrte, dass es einen entscheidenden Augenblick bei der Aufnahme einer Fotografie gebe (was ihm hier auch keineswegs abgesprochen wird), besteht trotzdem immer die Chance unsere Fehler dafür zu nutzen, Ästhetik aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, nämlich indem wir sie in erster Linie erkennen, aber auch akzeptieren und analysieren – und vor allem – uns ihrer als einer möglichen Technik annehmen.




