Die Ruinen von Villa Epecuén

„Sie weinte, sie weinte viel, die Tränen liefen ihr über die Wangen, die niemand küsste, wie ein Rinnsal, wenn sie fielen, wie ein Irrlicht in der Nacht ihrer Pupillen.“ 

Die Legende von Epecuén besagt, dass der See aus den Tränen der Tochter des Häuptlings eines Stammes, der damals in der Pampa lebte, entstand. 

Im Jahr 1921 wurde an den Ufern dieses Sees, dessen Wasser heilende Kräfte zugeschrieben wurden, ein Dorf errichtet. Mehr als 60 Jahre lang war das Dorf ein Ziel für Touristen aus der ganzen Welt. Das Dorf und die Nachbargemeinden bauten ihre Infrastruktur aus und selbst lange Dürreperioden wurden durch den Bau von Kanälen und die Versorgung mit Wasser aus geografisch nahegelegenen Flüssen überwunden. Diese Maßnahmen forderten jedoch in den 1980er Jahren ihren Tribut: Nach jahrelangen starken Regenfällen gab der Damm, der Villa Epecuén schützen sollte, nach und verursachte eine Katastrophe. Im November 1985 stieg das Wasser innerhalb kürzester Zeit um zehn Meter an und überschwemmte das Dorf und seine Umgebung mit dem Salzwasser des Sees, sodass Bewohner- und Besucher:innen gezwungen waren, ihr gesamtes Hab und Gut zurückzulassen.

Erst in den 2010er Jahren haben sich die Wassermassen größtenteils zurückgezogen, doch Teile des Dorfes stehen noch immer unter Wasser. Ruinen von Häusern, Restaurants, Strommasten und sogar die Ruinen des Schlachthofs und des alten Friedhofs sind wieder zum Vorschein gekommen. Geisterhafte Eingänge und durch die Flut freigelegte Treppen erinnern nur noch an die einst so lebhaften Straßen von Villa Epecuén.

In einem nächsten Schritt sollen Diapositive von Zeitzeugen, die in den 1970er Jahren als Touristen nach Villa Epecuén gereist sind, gesichtet und Teil des Projekts werden.